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Die Steine geben sich ganz  

 

Meine erste Schwitzhütte war ein nach Hause kommen. Es war, als würde ich etwas tun, was ich seit Urzeiten getan habe: In den Schoß von Mutter Erde kriechen und mich verbinden, mit allem, was mit mir ist. Mit meinen Ahnen, meinen Verbündeten, meinem göttlichen Geleit.

 

Wie ein Kind tauche ich voller Vertrauen in die Dunkelheit und sauge den Duft von Erde und Feuer ein. Wissend, wie klein das Weidengeflecht der Schwitzhütte in Wirklichkeit ist, scheint es mir unglaublich, wie weit der Raum sich im Dunkeln ausdehnt. Unendlichkeit tastend wird auch in mir der Raum weit und empfänglich. Dampfende Erde unter mir, Sternenzelt über mir, glühende Steine wie Lava in der Mitte.

 

Aus dem Dunkeln höre ich die Stimme meiner Lehrerin sagen: „Seht, die Steine geben sich ganz.“

 

Die Steine werden gewaschen, feuchte Hitze steigt auf, Räucherwerk gibt sich den Sinnen hin und ich meinen Verstand ab. Die Trommel wird geschlagen und mein Herz antwortet. Ich singe Lieder, die ich vorher nicht kannte. Ich spreche, was gesagt werden will. Ich töne und gurre, schreie und klage, ich weine meinen Schmerz und den aller, ich jaule wie ein Wolf und spüre das Tier in mir. Ich bete für mich und für die ganze Welt. Ich bin weit weg und mir gleichzeitig so nah, wie nie zuvor.

 

Es wird heißer und heißer, doch ich bade wie ein Drachenkind in der Glut. Schicht um Schicht lege ich ab, was mich davon trennt, die zu sein, die ich in Wahrheit bin. Meine Angepasstheit, meinen Scham, mein Gefallen-Wollen, meine Angst und allem voran: meinen gnadenlosen Zweifel.

 

Als sich die Reise ins Innere dem Ende nähert und Verstand sich mühsam an den verschwitzten, durstigen Körper erinnert, weiß ich: Ich habe meine Medizin gefunden.

 

Ich krieche auf allen Vieren aus der Schwitzhütte, küsse ehrfürchtig die Erde und richtete mich langsam auf. Nackt und bebend stehe ich vor dem Feuer. Die Kriegerin in mir ist endlich geboren.

 

 

Für Petra - in tiefer Dankbarkeit für alle Erfahrungen.

 

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